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Der Oberpullendorfer Krebs und die „Krebsler“

Schon „Drinoczy´s Nachlese“*, eine bis zum Jahre 1833 reichende Chronik über den ehemaligen Marktflecken Mitterpullendorf, berichtet, dass der Stooberbach nicht nur genügend Wasser für den Betrieb von Mühlen führte, sondern auch reich an wohlschmeckenden Krebsen war. Flusskrebse wurden damals in großen Mengen allgemein in der Küche verbraucht. Sie wurden als angenehmes Nahrungsmittel sehr geschätzt und durch mannigfaltige Zubereitung in feine und beliebte Speisen umgewandelt. Daher stellten sie auch ein gesuchtes Handelsgut dar und waren neben dem Vogelfang(!) ein zusätzlicher Erwerbszweig für die Oberpullendorfer, zumal es unter den Ortsbewohnern auch geschickte Händler gab, deren Handelsbeziehungen bis an den Hof König Nikitas von Montenegro reichten.

Noch im vergangenen Jahrhundert, vor allem in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und den Jahren danach, landeten Krebse aus Oberpullendorf unter anderem auf den Wiener Märkten. Es konnte daher nicht ausbleiben, dass die Bewohner der umliegenden Ortschaften, aber auch die Wiener Kunden, immer öfter den Begriff „Krebsler“ verwendeten, wenn sie von den Oberpullendorfern sprachen. Natürlich war die Bezeichnung des Öfteren abwertend gemeint, wie es bei Spitznamen eben so üblich ist.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte aber wandelte sich mancherorts das Geschichtsbewusstsein der Bewohner. So auch in Oberpullendorf, wo sich mehr und mehr Menschen mit dem Krebs und den „Krebslern“ identifizierten. In der Folge mutierte der Krebs immer stärker zur Symbolfigur für die Stadt.

Und wer weiß, würde das Stadtrecht heute verliehen, fände sich vielleicht (neben dem Löwen als Zeichen für die Kleinadeligen aus Oberpullendorf und der von zwei Ähren umkränzten Pflugschar als Zeichen für die bäuerliche Bevölkerung Mitterpullendorfs) auch der Krebs im Wappen der Stadt.

*Amtsrat Ernst Lex, Beamter des Eich- und Vermessungsamtes und Hobby-Historiker aus Leidenschaft, veröffentlichte Auszüge aus „Drinoczy´s Nachlese“( übersetzt, erläutert und ergänzt in der „Gemeinde“, dem Oberpullendorfer Pfarrblatt, Ausgaben Juni 1977, September 1977 und März 1978).

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